Pastellkreide – Geschichte, Zusammensetzung, Technik und Tipps

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Pastellkreide zählt zu den faszinierendsten und zugleich anspruchsvollsten Zeichenmaterialien. Ihre samtige Textur, intensive Farbkraft und die Möglichkeit, mit reinen Pigmenten zu arbeiten, machen sie bei vielen Zeichnern beliebt. Doch Soft Pastel und Hard Pastel unterscheiden sich deutlich in Handhabung und Einsatzgebiet. In diesem Artikel erklären wir die wichtigsten Unterschiede, werfen einen Blick in die Geschichte und geben praktische Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Soft Pastel
Soft Pastellkreidefarben für das Waldbild – Gemalt auf Canson Mi-teintes Papier

Was ist Pastellkreide?

Pastellkreiden bestehen im Kern aus hochwertigen Pigmenten und einem Bindemittel. Im Gegensatz zu Ölfarben oder Aquarellfarben enthalten sie nur sehr wenig Binder, sodass die Farbe fast pur auf dem Papier liegt. Dadurch entsteht die charakteristische samtige, leuchtende Oberfläche.

Pastellkreiden
Soft Pastellkreide und Mediumsoft Pastellkreide

Soft, Medium-Soft und Hard Pastels – Die wichtigsten Unterschiede

Pastellkreiden werden je nach Härtegrad in drei Hauptgruppen eingeteilt: Soft Pastel, Medium-Soft Pastel und Hard Pastel. Jede Variante hat ihre spezifischen Eigenschaften und eignet sich für unterschiedliche Arbeitsphasen und Techniken.

Pastel
handgemachte weiche Pastellkreide, weiche Pastellkreide, mittelweiche Pastellkreide, Pastellstifte unterschiedlicher Marken

Soft Pastels (weiche Pastellkreiden) besitzen den höchsten Pigmentanteil und nur sehr wenig Bindemittel. Sie sind besonders weich und pudrig, erzeugen intensive und leuchtende Farben und lassen sich hervorragend für großflächiges Malen und weiche Übergänge einsetzen. Gleichzeitig sind sie sehr staubig und empfindlich, sodass die Oberfläche leicht verwischt werden kann.

Medium-Soft Pastels bilden den ausgewogenen Mittelweg zwischen den beiden Extremen. Sie sind weicher als Hard Pastels, aber fester und weniger staubig als Soft Pastels. Diese mittlere Konsistenz macht sie sehr vielseitig: Sie lassen sich gut schichten, bieten eine schöne Farbintensität und sind gleichzeitig etwas präziser zu verarbeiten. Viele Zeichner schätzen Medium-Soft Pastels als praktischen Allrounder, besonders im Einstieg und bei gemischten Techniken.

Hard Pastels (harte Pastellkreiden) sind deutlich fester gebunden und enthalten mehr Bindemittel. Sie brechen seltener, erzeugen weniger Staub und eignen sich besonders gut für feine Linien, scharfe Konturen und detaillierte Unterzeichnungen. Die Farbwirkung ist etwas zurückhaltender als bei Soft Pastels, dafür lassen sie sich sehr präzise einsetzen.

Pastellkreiden
unterschiedliche Pastellkreiden und Stifte auf Pastellpapier Canson Mi-Teintes grober Papierseite

Viele Künstler arbeiten mit einer Kombination aller drei Typen: Hard Pastels für die erste Skizze und Details, Medium-Soft Pastels für den Hauptteil der Arbeit und Soft Pastels für intensive Farbakzente und letzte Schichten.

Dazwischen gibt es Pastellstifte, die eine Kombination aus beiden Welten darstellen und sich besonders für detaillierte Arbeiten eignen.

Pastellstifte
Pastellstifte

Pastellstifte – Präzision und Kontrolle

Pastellstifte stellen eine wichtige Ergänzung zur klassischen weichen Pastellkreide dar. Sie kombinieren die intensive Farbkraft von Pastell mit der Präzision eines Bleistifts und eignen sich besonders gut für feine Details, Konturen und kleinere Arbeiten.

Im Gegensatz zu weichen Pastellkreiden sind Pastellstifte fester gebunden. Dadurch brechen sie weniger leicht und lassen sich gezielter einsetzen. Viele Zeichner nutzen sie für die Unterzeichnung, für scharfe Kanten oder um feine Akzente in ein Pastellbild zu setzen.

Spitzen der Pastellstifte Pastellstifte sollten mit einem scharfen Messer oder einem speziellen Pastellstift-Anspitzer angespitzt werden. Das Ziel ist eine runde, leicht abgerundete Spitze. Eine zu lange, spitze Mine bricht schnell ab. Am besten dreht man das Messer langsam um den Stift und entfernt nur kleine Späne, bis eine stabile, runde Form entsteht.

Farbe entfernen Möchte man Farbe korrigieren oder aufhellen, eignet sich ein weicher Pinsel (z. B. ein trockener Marder- oder Synthetikpinsel) sehr gut. Mit sanften, kreisenden Bewegungen kann überschüssiges Pigment vorsichtig abgenommen werden, ohne die darunterliegenden Schichten zu beschädigen. Radiergummis sollten bei Pastellstiften nur sparsam eingesetzt werden, da sie die Papierstruktur leicht aufrauen können.

Pastellstifte sind besonders für Fortgeschrittene interessant, da sie eine Kombination aus malerischer und zeichnerischer Arbeitsweise ermöglichen.

Pastellstifte und Pinsel
Pastellstifte gespitzt und Pinsel

Woraus Pastellkreide besteht

Pastellkreiden setzen sich zusammen aus:

  • Pigmenten (farbgebende Teilchen, meist mineralischen oder synthetischen Ursprungs)
  • Bindemitteln (meist Gummi Arabicum oder ähnliche pflanzliche Gummis)
  • Füllstoffen (z. B. Kaolin oder Kreide), die die Konsistenz beeinflussen

Je weniger Binder enthalten ist, desto weicher und leuchtender wird die Pastellkreide – aber auch empfindlicher.

Pigmente sind die eigentlichen Farbträger. Hochwertige Pastellkreiden verwenden lichtechte, fein gemahlene Pigmente, die auch nach vielen Jahren ihre Leuchtkraft behalten.

Pastellkreide
Pastellkreide und Stifte

Beliebte Marken im Vergleich

  • Soft Pastel: Sennelier, Schmincke, Unison, Rembrandt
  • Hard Pastel: Conté à Paris
  • Pastellstifte: Caran d’Ache, Stabilo CarbOthello, Derwent

Einsteiger vs. Fortgeschrittene – Welche Pastellkreide passt zu wem?

Einsteiger → Mittelharte oder harte Pastellkreiden (weniger Staub, leichter zu kontrollieren). → Kleine Sets mit 12–24 Farben reichen völlig aus. → Wichtig: Ein gutes, mittelstrukturiertes Papier (z. B. 160–200 g/m² mit feiner Körnung).

Fortgeschrittene → Sehr weiche Pastellkreiden für intensive Farbverläufe und viele Schichten. → Größere Sets oder offene Farben, um eigene Mischungen zu erstellen. → Häufig Kombination aus Soft Pastel für Flächen und Hard Pastel/Pastellstiften für Details.

Pastellkreide
Pastellkreide

Die Schichttechnik – So arbeitet man mit Pastellkreide

Pastellkreide wird in mehreren Schichten aufgetragen:

  1. Unterzeichnung (oft mit Hard Pastel oderPastellstiften)
  2. Erste grobe Farbschichten
  3. Aufbau von Tiefe und Kontrasten durch weitere Schichten
  4. Feine Details und Akzente mit Pastellstiften
  5. Je nach Papier ist eventuell abschließende Fixierung nötig (meist mattes Fixativ in mehreren dünnen Schichten)

Wichtig: Jede neue Schicht sollte nur leicht aufgetragen werden, um ein Zusetzen der Körnung zu vermeiden. Wenn du magst, schau dir gerne an, wie ich mit Pastelkreide male: Mein YouTubekanal

Pastellkreide Bild
Pastellkreidebild „Wald“

Farbvarianten und Pigmente

Hochwertige Pastellkreiden gibt es in Hunderten von Nuancen. Besonders wichtig sind:

  • Reine Farbtöne
  • Abstufungen mit Weiß (Töne)
  • Abstufungen mit Schwarz (Schattierungen)
  • Grauabstufungen für realistische Schatten

Gute Pigmente zeichnen sich durch hohe Lichtechtheit aus – sie verblassen auch nach Jahren nicht.

Arbeiten mit der Staffelei

Es empfiehlt sich, Pastellzeichnungen möglichst auf einer Staffelei zu arbeiten. Eine leicht nach vorne geneigte Position hilft dabei, dass überschüssiger Pastellstaub nach unten abfällt und nicht auf die Zeichnung zurückrieselt.

Zusätzlich ist es ratsam, die Pastellkreiden zwischendurch regelmäßig mit einem weichen, trockenen Tuch abzuwischen. So entfernt man lose Pigmentreste von der Mine und verhindert, dass sich unerwünschte Farbvermischungen auf dem Papier ergeben.

Staffelei
Pastellkreide Staffelei fängt den Staub auf

Die Geschichte der Pastellmalerei

Die Technik der Pastellmalerei ist relativ jung. Erste Experimente mit trockenen Farbstiften gab es bereits im 16. Jahrhundert, doch erst im 17. und 18. Jahrhundert wurde Pastell zu einer eigenständigen Kunstform.

Die venezianische Malerin Rosalba Carriera (1675–1757) gilt als die erste große Meisterin der Pastellmalerei. Sie etablierte Pastell als ernstzunehmendes Medium für Porträts und trug maßgeblich zu dessen Popularität bei europäischen Höfen bei. Im 19. Jahrhundert erlebte die Pastellmalerei dann ihre Blütezeit durch Künstler wie Edgar Degas, Mary Cassatt und Odilon Redon, die die Technik für impressionistische und symbolistische Werke nutzten.

Bekannte Pastellmaler und berühmte Werke

  • Rosalba Carriera – Pionierin der Pastellporträts im 18. Jahrhundert
  • Edgar Degas – Meister der Pastellmalerei, bekannt für Balletttänzerinnen und Wäscherinnen
  • Mary Cassatt – Impressionistische Pastelle mit Fokus auf Mutter-Kind-Motive
  • Odilon Redon – Symbolistische Pastelle mit traumhaften Motiven

Fazit

Pastellkreide ist ein vielseitiges, aber anspruchsvolles Medium. Wer sich Zeit nimmt, die richtige Kombination aus Papier, Kreide und Technik zu finden, wird mit außergewöhnlich leuchtenden und lebendigen Ergebnissen belohnt. Schau dir gerne auch noch meinen Artikel zu Frühling in Pasteltönen an!

Mit welchen Pastellkreiden malst du am liebsten und welche Motive magst du besonders gern? Schreib mir in die Kommentare!


Quellen:

  • Carriera, Rosalba – Wikipedia und Fachliteratur zur Pastellmalerei des 18. Jahrhunderts
  • Jackson’s Art Supplies: „A Guide to Pastel Painting“
  • HowToPastel.com: Pastel Basics & Brand Comparisons
  • Schmincke, Sennelier und Rembrandt offizielle Produktinformationen
  • Fachbücher zur Geschichte der Pastellmalerei (z. B. „Rosalba Carriera – Die Meisterin der Pastellmalerei“)

Hinweis: Die Erwähnung von Markenprodukten (Rembrandt, Faber Castell etc.) erfolgt rein beschreibend und zur Information. Es bestehen keinerlei werbliche oder geschäftliche Verbindungen zu den Herstellern.

Dieser Artikel wird noch ergänzt, da ich meine Auswahl an Pastellkreiden noch erweitern werde.

Pastellkreide

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